Die Aufteilung Europas in Ost und West


Deutschland, Symbol des Kalten Krieges

Zwar hatten die Alliierten das gemeinsame Ziel, in Deutschland eine Demokratie zu errichten und jedes Wiederaufkommen des Nationalsozialismus zu verhindern, doch die Vorstellungen der Sowjets und der westlichen Verbündeten, auf welchem Weg dieses Ziel zu erreichen sei, gingen weit auseinander. Die Unstimmigkeiten unter den Besatzungsmächten zeigten sich besonders deutlich bei der gemeinsamen Verwaltung Berlins. Diese Schwierigkeiten führten dazu, dass sie ab 1947 ihre jeweiligen Sektoren zunehmend autonom verwalteten.


In der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) entstand durch den zwangsweise erfolgten Zusammenschluss der SPD mit der KPD die Sozialistische Einheitspartei SED, die im Oktober 1946 bei den Wahlen zu den Landtagen knapp die Hälfte der Wählerstimmen erhielt. Vor dem Hintergrund des Konfliktes zwischen der UdSSR und dem Jugoslawien Titos, das einen unabhängigen Weg zum Sozialismus einschlug, musste die SED nun den „besonderen deutschen Weg zum Sozialismus“ aufgeben und wurde in eine stalinistische „Partei neuen Typus“ nach dem Vorbild der KPdSU umgewandelt. Die rasche Durchführung einer Agrarreform sowie die Demontage und die Konfiszierung von Fabriken bestimmten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.


Da die Westmächte die Sowjetunion sehr bald als Bedrohung wahrnahmen, entwickelten sie Interesse an einer Stärkung Deutschlands und unterstützten deshalb den Wiederaufbau Deutschlands. In seiner Stuttgarter Rede am 6. September 1946 setzte sich der amerikanische Außenminister James F. Byrnes u.a. für die „baldige Bildung einer vorläufigen deutschen Regierung“ ein. Der britische Außenminister Ernest Bevin betonte wenig später die „fast völlige Übereinstimmung“ seiner Regierung mit den amerikanischen Positionen. Im Januar 1947 wurde unter französischem und sowjetischem Protest die britisch-amerikanische Bizone gebildet. Erklärtes Ziel war der enge wirtschaftliche und administrative Zusammenschluss dieser beiden Zonen, in der Hoffnung, alle Alliierten würden später im Interesse einer Stabilisierung ganz Deutschland als eine Wirtschaftseinheit behandeln. Faktisch erwies sich die Bildung der Bizone als erster Schritt zur Gründung der Bundesrepublik und damit der Teilung Deutschlands. Infolge der Ost-West-Spannung schloss sich Frankreich 1948 den beiden Westzonen an, nachdem es zunächst aufgrund seiner Erfahrungen in den beiden Weltkriegen eine Behandlung Deutschlands als Einheit verhindern wollte.


Spätestens mit der Einführung einer gemeinsamen Währung für die Westzonen im Juni 1948 rückte die Aussicht auf ein politisch und wirtschaftlich vereintes Deutschland in weite Ferne. Als Antwort auf die Einführung der D-Mark als Zahlungsmittel in den Westsektoren Berlin blockierte die Sowjetunion mit Ausnahme der drei Luftkorridore alle Verkehrsverbindungen in die Westsektoren Berlins und stellte alle Lieferungen aus der SBZ ein. Fast ein Jahr lang, vom 24. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949 wurde die Bevölkerung mit Kohle, Maschinen und allen Bedarfsgütern aus der Luft versorgt: Amerikanische und britische Transportflugzeuge landeten im Drei-Minuten-Abstand in der Stadt. Während dieser „Luftbrücke“ entwickelte sich ein Gefühl der Zusammengehörigkeit zwischen den westlichen Besatzungsmächte und den betroffenen Deutschen. Im Propagandakrieg gegen den Osten wurde das eingeschlossene West-Berlin zum Symbol der Verteidigung von Freiheit.


In der Hoffnung auf eine spätere Regelung der Deutschen Frage wurde im Mai 1949 in der Westzone eine provisorische Verfassung verabschiedet, die man, um den provisorischen Charakter zu betonen, „Grundgesetz“ nannte. Damit war der Grundstein für die Bundesrepublik Deutschland gelegt. Parallel dazu wurde in der Sowjetischen Besatzungszone im Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik gegründet. Die Teilung Deutschlands in zwei getrennte Staaten wurde zwar nicht offiziell anerkannt, verfestigte sich aber in den folgenden Jahren durch die gegensätzlichen politischen und wirtschaftlichen Systeme.


Der Ausbruch des Koreakrieges bestätigte die USA in ihrer Vermutung, dass das Ziel der sowjetischen Politik die Zerstörung der Regierungs- und Gesellschaftsstruktur in der nicht sowjetischen Welt sei. Die Absicht des „Sklavenstaates“ Sowjetunion sei es „die Freiheit zu zerstören“. So steht es im Memorandum 68 des Nationalen Verteidigungsrats, das im Frühjahr 1950 entstanden war und in der Folge zur Basis der amerikanischen Außenpolitik werden sollte. Um diese Bedrohung abzuwehren, sollte die eigene militärische Stärke ausgebaut werden. Die USA brachten daher auch ihren Wunsch nach einer Wiederbewaffnung der Bundesrepublik zum Ausdruck, um das westliche Verteidigungsbündnis zu stärken. Wegen der Parallelen – auch Korea war ein geteiltes Land – flammte die Diskussion um die Verteidigung Westeuropas neu auf. Die Aufstellung einer eigenen bundesdeutschen Armee im Rahmen eines westlichen Bündnisses nur fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war sowohl innerhalb des Landes als auch bei seinen Nachbarn der umstrittenste Punkt bei der Westintegration der Bundesrepublik. Frankreich, das dem Wiederaufbau einer unabhängigen deutschen Armee nach seinen Erfahrungen aus den vorangegangenen Kriegen sehr reserviert gegenüberstand, brachte eine Alternative ins Spiel: Die Integration der deutschen in eine europäische Armee, die unter der Verantwortung eines europäischen Verteidigungsministers an die politischen Institutionen eines vereinten Europas gebunden wäre. Der Vorschlag scheiterte letztlich 1954 im französischen Parlament, vor allem wegen der Einschränkung der Verfügungsgewalt über die nationalen Streitkräfte. Den Bedürfnissen nach Kontrolle der deutschen Rüstung trug die 1954 geschaffene Westeuropäische Union (WEU) Rechnung, in deren Rahmen sich die Wiederbewaffnung Deutschlands vollzog. Zum dominierenden Faktor in der westlichen Sicherheitspolitik wurde die Nato.


Die Entstehung der Volksdemokratien

In den Jahren zwischen 1945 und 1949 wurden in den Ländern im sowjetischen Einflussbereich kommunistische Systeme mit einem mehr oder weniger demokratischen Erscheinungsbild errichtet. Alle Staaten im östlichen Teil Europas, angefangen bei Polen 1947 bis hin zu Ungarn 1949, wurden zu „Volksdemokratien“. Der Bruch Jugoslawiens mit Moskau im Sommer 1948 führte zu verstärkten Bemühungen des Kreml, seine Dominanz über Osteuropa auszuweiten. Die Repression traf zunächst meist Anhänger der rechten Parteien und wurde dann auf Sozialdemokraten ausgedehnt, deren Parteien zwangsweise mit den kommunistischen Parteien vereinigt wurden. Schließlich wurden Säuberungen innerhalb der unabhängigen nationalen kommunistischen Parteien unternommen, die meist durch Aufsehen erregende Schauprozesse begleitet wurden, bei denen man den Angeklagten Titoismus, Trotzkismus oder Nationalismus vorwarf. Die kommunistischen Parteien wurden völlig auf Moskau ausgerichtet.


In der Wirtschaft wurde die Verstaatlichung forciert, teils aus ideologischen Gründen, teils im Zuge von Reparationsleistungen der ehemals mit Deutschland verbündeten Länder, also in Ungarn, Rumänien und Bulgarien. Diese Umstrukturierungen erfolgten überall in Form von Fünfjahresplänen nach sowjetischem Modell. Mit der Gründung des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RWG) wurde der Grundstein für die wirtschaftliche Blockbildung gelegt. Diese auf russische Initiative 1949 aus Ablehnung des Marshall-Plans gegründete Institution organisierte den Handelsverkehr zwischen den Mitgliedstaaten und stimmte die nationalen Wirtschaftspläne aufeinander ab, woraus sich eine wechselseitige wirtschaftliche Verflechtung mit Abhängigkeiten ergab.


Die militärische Blockbildung schließlich wurde durch die Gründung des Warschauer Pakts besiegelt. Die Aufnahme der Bundesrepublik Deutschland in die NATO am 5. Mai 1955 bot der UdSSR den Anlass, kurz darauf einen bereits vorbereiteten Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand durch Vertreter von sieben osteuropäischen Staaten unterzeichnen zu lassen. Das militärische Oberkommando wurde von der UdSSR ausgeübt. Auch der Warschauer Pakt diente dem Kreml als Instrument politischer Kontrolle. Der Einmarsch sowjetischer Truppen in Prag 1968 beispielsweise wurde mit Bestimmungen des Warschauer Pakts legitimiert, der die Mitglieder im Falle einer Bedrohung des Zusammenhalts der kommunistischen Welt zur Intervention verpflichtete.



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